Sie tun es mit Genuss, Leidenschaft und Hingabe. Immer mehr Frauen rauchen Zigarren. Zum Aficionado gesellt sich die Aficionada. Was ist da los? Rauchzeichen steigen auf: in Cafés, Restaurants, auf Partys und in Discos. Frauen rauchen Zigarre, vorzugsweise eine edle Havanna. Zwischen roten Lippen und blitzenden Zähnen wird gezogen, gesaugt und gepafft. Eva und der tiefe Zug – was sind das für Frauen? Löst sich die letzte Domäne der Männer in Rauch auf?
Frauen und Zigarren. Es ist eine Wonne, zuzuschauen, wenn eine Frau sorgfältig eine Montechristo No 1 anzündet oder eine Romeo y Julieta Churchill zwischen Daumen und Zeigefinger rollt. Bei dem einen Mann glüht die Phantasie, bei dem anderen glimmt Anerkennung auf. Je nach Standpunkt oder Stellung. Die Zigarre war stets ein Attribut von Macht, Luxus, Geld und Sex. Ein Symbol der Maskulinität, auch der Virilität, das Frauen – jedenfalls als Konsumenten - a priori ausschloss.
Und heute. Zwischen Kapstadt und Helsinki, Moskau und San Franzisco: rund um den Globus glimmen die handgerollten Tabakstengel aus Kuba in Frauenhänden. O Tempora, o mores? Nein, das ist es nicht. Frauen sind erfolgreich in der Geschäftswelt, haben Position, Einfluss und Geld. Warum sollten sie also nicht aus dem gleichen Grund zur Zigarre wie Männer. Nämlich einen soliden Vertragsabschluß, den Karriereaufstieg oder einen guten, aber anstrengenden Tag mit einer Havanna zu beschließen. Denn Zigarrenraucher haben - ganz gleich ob männlich oder weiblich - ein völlig ungestörtes zu ihrem Selbstbewusstsein. Der schöne Nebeneffekt für den Aficionado. Frauen, die sichtbar und bewusst genießen, strahlen eine gewisse Erotik aus.
Auch die Psychologie beschäftigt die neue Lust der Frauen am tiefen Zug. Und die Analysen sind so bunt wie die Banderolen der Zigarren. Die Hamburger Psychologin Heidrun Bauer entdeckte schon vor einigen Jahren den Trend: „Die Frauen signalisieren Lust auf etwas Neues, sind emanzipiert, wollen Spaß." Warum auch nicht, das ist verständlich. Ihre Wiener Kollegin, Dr. Gerti Senger hingegen blickte viel tiefer in die Seele der ersten Aficionada: „Die Zigarre ist wie ein riesiger, beruhigender Schnuller der Trost und Wärme vermittelt. Sie ist nicht zunehmender Ausdruck von Stärke der Frauen, eher ein Bedürfnis nach Geborgenheit." Schnuller oder nicht. Die Frauen paffen mit Genuß und Siegmund Freud rauchte schließlich auch Zigarre. Punktum!
Adam und Eva. Die Freude beider Geschlechter an edlen Zigarren sind ein Trend gegen den Trend. Erstens wird das Rauch prinzipiell kritisiert Und zweitens war die Zigarre so tot wie die großen alten Männer, mit denen sie verglimmte. Winston Churchill (1874-1965) saß im Lehnstuhl, sah die Welt durch den Rauch einer dicken Montechristo. Ludwig Erhard (1897-1977) qualmte wie die Schornsteine des deutschen Wirtschaftswunders.
Danach kam die große Ära der Zigarette. Sie passte besser in die neue Zeit. Fix an, fix aus. Von Frauen vorzugsweise mit Spitze geraucht. Bis die Schauspieler Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone mitten in der größten Nichtraucherzone der Erde, den USA elegante Zigarrenclubs eröffneten. Leider ohne ein Sortiment an Havanna Zigarren, weil Uncle Sam seit langem eine offene Rechnung mit dem immer noch fidelen Castro hat. Aber immerhin. Das Comeback der Zigarre begann.
Ex Präsident Bill Clinton muss das missverstanden haben. Er genoss die Zigarre, eine Macanundo unsachgemäß – siehe Monica. Und der deutsche Sozialdemokrat Manfred Schröder qualmte als Kanzler zwischen sich und die arbeitlosen Wähler den Rauch der Cohiba Lanceros. Fidel Castro raucht schon lange mehr keine Havannas.
Immerhin. Zigarren rücken orthodoxem Nichtrauchergebaren zum Trotz wieder näher in unser Leben. Im penibel politisch korrekten Südafrika allerdings fast ausschließlich in den Tabakrefugien exklusiver Wildreservate und Golfclubs, sowie in die Bars erstklassiger Hotels und Restaurants. Der Vorteil. Es trennt die Spreu vom Weizen.
Und auch hier sieht man sie – elegante, schöne und charismatische Frauen aller Hautfarben, die eine Havanna rauchen. O Tempora, o mores! Im Fall Südafrika schön, dass sich Zeiten und Sitten geändert haben… "A woman is only a woman, but a good cigar is a smoke." behauptete Rudyard Kipling, Starautor des britischen Kolonialismus im ausgehenden 19. Jahrhundert.. Er lag nicht nur mit seiner Meinung vollkommen daneben. Kipling war entweder in seinen historischen Kenntnissen beschränkt oder es war seiner Aufmerksamkeit entgangen, dass nicht nur in seiner Epoche, sondern lange zuvor Frauen und Zigarren eine legendäre und genüssliche Beziehung hatten.
Mal abgesehen davon, dass die Mayas vor über 2000 Jahren die ersten Raucher waren. Die Anthropologen wissen, auch die Maya Frauen waren ebenso gewandt im Tabak rollen wie im qualmen der ersten Glimmstangen. Die erste „moderne" Beziehung zwischen Frauen und Zigarren wurde von den spanischen Eroberern um 1500 beobachtet. Sie meldeten Rauchwolken von paffenden Frauen im Hinterland von Peru.
Vielleicht waren es die exotischen Frauen, der Tabak – oder auch beides. Die Spanier jedenfalls brachten den Tabak nach Europa. Und die spanische Königin Isabella finanzierte Christoph Columbus Reise in 1492 nicht wegen der Suche nach Gold. Der bereit entdeckte Tabak war der Königin wichtiger. Königliche Weisheit. Die erste Tabak Manufaktur Europas wurde 1620 in Spanien gegründet.
In England des 16. Jahrhunderts war es Königin Elizabeth I. die zu Shakespeare´s Zeit Hof und Adel ermunterte tägliche eine Pfeife Tabak zu rauchen. Und im 17. Jahrhundert verschrieben die Ärzte in den amerikanischen Kolonien Frauen Tabak. Sie glaubten fest an die Verbindung weiblicher Gesundheit und Tabakgenuß.
Zu Beginn des 18. Jahrhundert rauchten in Europa und den USA ebenso viele Frauen wie Männer Zigarren. Forscher, Dichter und Schriftsteller schrieben über die Lust der Frauen Der englische Auto Charles Dickens berichtete 1846 über einen Nachmittag in einem Schweizer Hotel, wo er mit der Mutter und der 16jährigen Tochter in der Lobby Karten spielte. Beiden rauchten, das Mädchen paffte beim Spiel sechs Zigarren.
Königin Victoria (1819-1901) hingegen war bekannt für ihre notorische Abneigung gegen Tabakrauch. Niemand durfte in ihrer Gegenwart qualmen. Eine prüde Epoche, die sich auch auf die in den vergangenen Jahrhunderten Emanzipation der Raucherinnen auswirkte. Man erhob pikiert die Augenbrauen, wenn eine Frau sich eine anzündete. Es dauerte nicht lange bis das Paffen in der Öffentlichkeit völlig tabu war. Erst in den Goldenen 20ern und später in der großen Filmzeit von Hollywood glühten wieder Tabakstengel zwischen Frauenlippen. Femme Fatale, wie Marlene Dietrich - allerdings Zigaretten, keine Zigarren.
Heute rauchen sie wieder ohne Scham das uralte und doch so neue Lebensgefühl Zigarre. Zeit haben, gelassen genießen, mag die Welt da draußen noch so rumoren. Gescheite Männer gesellen sich zu den Frauen und zünden sich auch eine an.
Kasten
Kleiner Zigarrenknigge für mehr Genuss - Wichtigste Regel:
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Kein Benzinfeuerzeug, keine Kerze zum Anzünden verwenden. Das verrußt die Zigarre, tötet das Aroma und den Geschmack. Ein Streichholz nur, wenn der Schwefelduft verbannt ist. Am besten ist ein Gasfeuerzeug oder auch ein Stück brennendes Zedernholz.
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Behutsam anzünden, die Zigarre niemals direkt in die Flamme halten, sachte ziehen. Zigarren dürfen nicht überhitzt werden. Auch das killt das Aroma. Die Asche bleibt immer ein bis zwei Zentimeter dran. Sie schützt die Glut, fördert das gleichmäßige Glimmen und kühlt den Rauch. Asche niemals abklopfen sondern nur abstreifen.
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Die Banderole sollte besser nicht abgenommen werden, das könnte das Deckblatt der Zigarre beschädigen. Die Haltung der Zigarre ist gleichgültig. Konservative Briten halten sie mit Daumen und Zeigefinger, nie zwischen Zeige- und Mittelfinger. Das war nur Winston Churchill vorbehalten.
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Die Zigarre, kurze Info: dicke sind milder, schlanke sind würziger. Zwischen den Fingern gerollt darf sie nicht knistern – zu trocken. Es gibt Longfillers, ganze Tabakblätter längst gerollt, und Short Cuts, die aus Tabakschnipsel bestehen. Premium Zigarren sind immer Longfillers. Die besten kommen aus Kuba, aber auch aus der Dominikanischen Republik, Jamaika und Honduras.
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Ihre 4000 verschiedenen Aromen werden beschrieben wie große Rotweine: Früchte, Honig, Kräuter, Blumen, Nüsse und Edelhölzer. Zigarren werden in einem Befeuchter, dem Humidor aufbewahrt, bei ca. 70 Prozent Luftfeuchtigkeit und 19 Grad Celsius. Humidore sind aus teuren Edelhölzern gefertigt. Innen sind aber alle mit Zedernholz ausgelegt, das sich mit Zigarren am besten verträgt.
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Zigarrenkenner nennen sich Aficionados oder Connaisseurs und schreiben Cigarre stilvoll mit „C"
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