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Garden Route Touren - Reisebericht Kapstadt - Südafrika
24. November 2006, 10. Tag
Relativ spontan entschieden wir uns dazu bereits in Plett (so sagen die Südafrikaner zu Plettenberg Bay) die Town Ship Tour zu machen, um in Kapstadt dann noch etwas mehr Zeit zu haben am Ende unseres Urlaubes. Lesley und Mirjam aus dem Backpacker führten die entsprechenden Telefonate für uns und sagten uns, wir sollten gegen 11.00 Uhr am Hafen auf unseren Guide warten. Wir nahmen noch ein weiteres deutsches Mädchen mit auf unseren Ausflug und trafen uns -- wie besprochen -- mit dem Guide. Donalds -- so hieß er -- erste Frage war, ob wir mit dem Auto gekommen wären. Gut, meinte er, dann können wir ja mit eurem Auto fahren. Oh je. Da haben wir nicht schlecht geguckt.
Von anderen deutschen wurden wir am Morgen noch gefragt, ob wir mit einem gepanzerten Wagen in die Town Ships fahren und nun sollten wir gar mit unserem eigenen Auto fahren? Etwas skeptisch fragte ich, ob das denn überhaupt sicher sei. Donald versicherte uns, dass das ganze zu 100 % sicher sei. Also bogen wir am Kreisverkehr dieses mal Richtung Industriegebiet und Town Ships ab, parkten auf einem staubigen Platz, wobei wir von den umliegenden Wellblechhütten neugierig beäugt wurden.
Es war schon eine merkwürdige Situation. Donald führte uns durch die Kommune, vorbei an den ärmlichen Hütten. Überall saßen Menschen herum, Kinder spielten auf der Straße, Wäsche flatterte auf den Leinen, Hunde bellten. Besonders betonte er immer wieder den schönen Blick auf den weißen Sandstrand von Plett, was für uns etwas makaber wirkte, denn der Ausblick von Armut davor war alles andere als romantisch. Im Grunde genommen hatten wir die beste Town Ship Besichtigung, die man sich vorstellen kann, da wir nicht in einer großen Touristen-Gruppe aus dem Bus gestolpert kamen, sondern einfach zu Viert durchspazierten. Er zeigte uns, wie das Leben dort funktioniert. Wir stellten viele Fragen, bekamen auch viele Antworten. Ich fand es sehr beeindruckend. Für mich war es unvorstellbar, wie man mit einem solchen Leben zurechtkommen kann, mit solch einer Ungerechtigkeit. Aber Donald vermittelte uns eher den Eindruck, dass die Menschen dort nicht wirklich verbittert sind, sondern versuchten, das Beste aus der Geschichte zu machen. Sich mit Kleinigkeiten, wie z. B. dem tollen Ausblick, zufrieden zu geben. Er sagte, vieles sei besser gewesen, seitdem Mandela Präsident war. Und man selbst fragt sich, wie mag das nur vorher gewesen sein, wenn das schon die schönere Version der Armut ist?
Er erzählte uns, dass die Regierung für jede Familie ein kleines Steinhäuschen baut (davon sieht man viele unterwegs) mit fließend Wasser und Strom. Aber viele Familien wollten gar nicht wegziehen aus ihren Hütten: wegen des schönen Blickes und -- was vielleicht nicht ganz unwesentlich ist -- weil sie irgendwann Miete für die kleinen Häuschen bezahlen müssen. Allerdings sahen wir auch einige Projekte, die zeigen, dass es vorwärts geht. Z. B. haben die Menschen dort ein Backpacker mitten im Town Ship gebaut, welches wirklich nett aussieht. Sauber und nicht schlechter als viele, in denen man sonst auch wohnt. Die Idee finde ich gut. Die Frage ist nur, wer so mutig ist und dort übernachtet? Außerdem besuchten wir einen Kindergarten, der aus einer Elterninitiative heraus entstand. Die dortige Kindergärtnerin war eine sehr mutige Frau in unseren Augen. Sie ist auf Spenden angewiesen, um diesen Kindergarten zu betreiben. Die Kinder dort waren göttlich.
Kaum betraten wir den Hof, wurden wir von den Kindern umringt. Jedes wollte uns einmal umarmen und anfassen. Und natürlich auf den Arm genommen werden. Besonders Jörg wurde von ihnen umstürmt; der große weiße Mann. Die Kinder waren wirklich herzig. Es war fast so, wie man das aus Berichten kennt. Man tritt als Weißer auf die Bildfläche und alle kommen zu dir. Die monatliche Unterbringung in diesem Kindergarten kostet ca. 2,50 Euro. Und dennoch können sich das viele Eltern nicht leisten, dieses Geld aufzubringen. Solche Aussagen tun dann schon weh. Und man möchte so gern helfen. Wir spendeten auch einen kleinen Betrag, der sicherlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein war, aber immerhin etwas. Wenn man so etwas sieht und hört, werden die eigenen Probleme und Sorgen in Deutschland auf einmal ganz klein und unbedeutend. Mit vielen Eindrücken und Gedanken beendeten wir nach ca. 1 1/2 Stunden diesen Spaziergang durch die Town Ships.Am Nachmittag fuhren wir in das Monkeyland, 16 km östlich von Plett.
Dieser Park war ganz nett aufgemacht. Ein Waldareal wurde großräumig eingezäunt. Durch diesen Wald wird man geführt und bekommt zu den verschiedenen Affenarten etwas erklärt. Ich selbst fand allerdings die Schildkröten auf die wir trafen viel interessanter, was unser Guide auch gleich mitbekam. Er fragte bei jeder Schildkröte, wo denn die deutsche Frau sei, die Schildkröten liebt und dann musste ich jeweils die Schildkröte hochheben und ein Foto damit machen. Das war sehr amüsant. Im Monkeyland gab es eine sehr lange Hängebrücke über eine kleine Schlucht, angeblich die zweitlängste Hängebrücke der Welt. Man kam sich ein wenig vor wie bei Indianer Jones. Abends waren Jörg und ich noch in einer Pizzeria essen und trafen auf den krassen Gegensatz unseres Vormittagsprogramms. Viele Jugendliche, die gerade ihre Prüfungen hinter sich hatten, waren in Plett unterwegs, um abzufeiern und tranken flaschenweise Champagner (!), waren 3 km weiter die Menschen nicht wissen, wie sie ihre Kinder für 2,50 Euro in den Kindergarten stecken.
Diese Gegensätze sind so enorm. Und irgendwie machen sie einen auch etwas wütend. Für uns wurde auch immer deutlicher, wie groß die Probleme in diesem Land noch sind, auch wenn versucht wird in die Welt zu tragen, dass schwarz und weiß miteinander leben. Aber das ist nur in geringem Maße so, habe ich den Eindruck. Das wird noch so lange dauern, bis dort eine gesunde Gesellschaftsstruktur entsteht...
Und hier geht der Reisebericht aus Kapstadt Südafrika weiter! >>>>>
Kapstadt Reiseberichte Südafrika Urlaubstagebuch - Erlebnisse von Reisen in Südafrika
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